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Briard - Blog

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Arbeiten mit Leckerlis

Karina | 31. März, 2008 22:38

Ein sehr umstrittenes Thema in der Hundeerziehung ist die Arbeit mit Leckerlis. Gegner reden gar von Bestechung, was natürlich falsch ist, denn eine Bestechung wird vor einer erbrachten Leistung gegeben, eine Belohnung danach. Ansonsten hört man unglaublich viele Gegenargumente, die bei näherer Betrachtung immer sehr fadenscheinig sind. Es geht um die eigene Bequemlichkeit, falsche Anwendung, Ignorieren der Bedürfnisse eines Hundes, Nichtwissen von lernbiologischen Zusammenhängen, falsche Einschätzung hundlicher Motivation, mangelndes Ego des Hundehalters, Prinzipienreiterei, Neigung zu Balljunkies, dümmliches Rangordnungsgequatsche, Pseudoangst vor Vergiftung (als wenn Hunde so blöd wären, nicht genau unterscheiden zu können, ob sie etwas aus der Hand des Halters bekommen oder etwas auf dem Boden finden) und so manches mehr.

Wer nicht mit Leckerlis arbeitet, maches es oft sich, vor allem aber seinem Hund unnötig schwer. Ich zitiere Anders Hallgren aus "Hundeprobleme - Problemhunde":

"Leckerbissen haben eine beruhigende Wirkung. ... Der Leckerbissen schafft einen motvierten, konzentrierten, zur Zusammenarbeit bereiten und ruhigen Hund". Ist es nicht genau das, was jeder Hundehalter will?

Zitat aus "Verstehe deinen Hund" von Viviane Theby: "Es gibt viele Studien, auch an Menschen, die belegen, dass die sofortige Belohnung wichtiger ist als eine etwas grössere später." Um das zu üben, empfiehlt sie ein tolles Spiel, was ich euch auch gerne empfehlen möchte: stellt eine Stoppuhr/Eieruhr auf 15 Sekunden ein und versucht, eurem Hund in dieser Zeit mindestens 30 (!) Leckerlis zu geben. In der ersten Runde liegen sie vor euch auf dem Tisch, in der zweiten Runde nehmt ihr sie aus einer Leckerlitasche. Und versucht mal, Rekorde aufzustellen, wer von euch schafft mehr als 30 Leckerlis pro Sekunde? Eure Hunde werden jedenfalls begeistert sein Smile.

Futterbelohnung ist natürlich eine Methode, die nur bei richtiger Anwendung auch erfolgreich ist.

Einige Regeln:

- das normale Trockenfutter, was die Hunde eh jeden Tag bekommen, ist keine echte Belohnung! Eine Belohnung, die den Hund enttäuscht, ist schlimmer als gar keine Belohnung, weil die Enttäuschung zusätzlich frustriert! Wäre eine simple Scheibe Brot für euch Menschen eine Belohnung? Sicher nicht, aber ein leckeres Stückchen Torte doch sicherlich oder?

- es sollte aber auch nicht immer das allerliebste Leckerli wie Käse oder Würstchen sein, jedenfalls das, was euer Hund am liebsten isst, sonst kann der Hund zu gieriig und ungeduldig werden.

- es sollte weder zu gross noch zu klein sein. Der Hund sollte nicht kauen müssen, aber er sollte es schon im Mund spüren. Gebe ich Merlin zu kleine Krümmelchen, sucht er erst in seinem Mund danach, dann auf dem Boden. Könnte ja sein, dass es runtergefallen ist.

- es sollte zwar feucht, aber nicht so klebrig sein, so dass es entweder an den Fingern oder an den Zähnen des Hundes festklebt.

- Abwechslung darf und sollte auch sein. Ich liebe Sachertorte, aber immer nur Sachertorte wäre auf Dauer etwas langweilig.

- nur in Ausnahmefällen, Welpen, unsichere, ängstliche Hunde sollte es als sichtbares Lockmittel in der Hand eingesetzt werden, ansonsten sollte es nicht sichtbar sein, aber stets griffbereit, denkt an das Spiel oben.

- Leckerlis nicht immer nur aus der Hand geben, auch mal dem Hund zuwerfen oder Futterrollen auf dem Boden.

- seid kreativ, probiert mal alles mögliche aus, vom Katzenfutter bis zu gekochten Hühnerherzen, erstellt eine Leckerlirangliste eures Hundes. Welches mag er am liebsten?

- füttert euren Hund nicht fett. Zieht die Kalorien der Leckerlis von der Tagesration ab.

- Leckerlis langsam abbauen, am Ende nur noch jedes z.B. 5.-10. Mal geben, das verstärkt sogar die Arbeitsleistung des Hundes.

- Leckerlis sollten nicht in knisternden Tüten sein, denn dann fungiert das Knistern immer schon als Lockmittel.

- sie sollten in einer verschliessbaren Tasche sein. Es ist ärgerlich, wenn jemand dann mit seinem Hund rennt und den ganzen Platz mit Leckerlis "verseucht", auf dem danach ein anderes Team arbeiten will.

- der Hund sollte möglichst vorher lernen, das Leckerli behutsam und vorsichtig aus den Fingern zu nehmen, sogar bei Hoshi klappt es schon sehr gut. Ausser bei Hühnerflügeln oder sonstigem rohen Fleisch Tongue out

- wenn euer Hund sich nicht für Leckerlis interessiert, habt ihr wahrscheinlich entweder die falschen oder er ist einfach satt. Oder er ist im Dauerstress, ein echtes Alarmsignal.

- ein Leckerli sollte immer durch ein konditioniertes Signal angekündigt werden, es muss nicht der Clicker sein, bei Hoshi benutze ich ein "Supiiiiii", er weiss dann, dass ein Leckerli folgt und man hat etwas Zeit für die eigentliche Bestätigung gewonnen.

- gebt eurem Hund die Leckerlis aus beiden Händen, mal rechts, mal links, an verschiedenen Orten, in verschiedenen Positionen, tragt sie nicht immer an der gleichen Stelle eures Körpers.

- gebt das Leckerli dort, wo euer Hund sein soll, z.B. soll er neben euch sitzen, gebt ihr es an eurer Seite, nicht vor eurem Körper. bei Hoshi muss ich mich noch sehr weit bücken, um ihn nicht zum Hochspringen zu animieren.

- am Schluss einer Trainingseinheit kann man dem Hund auch mal ruhig eine ganze Handvoll Leckerlis geben, quasi als Jackpot.

Denkt daran, Leckerlis sind bei weitem nicht die einzig mögliche Belohnung, aber für viele Situationen und viele Hunde einfach die beste. Über das Richtige Spielen als Belohnung haben wir euch ja auch schon erzählt. Ein Spielzeug kann aber einen Hund auch übermotivieren, am besten lernen Hunde in einer mittleren Motivationslage.

Eine schöne Zusammenfassung über die Belohnung mit Leckerlis findet ihr HIER. Neben den bereits empfohlenen Büchern noch ein Buchtipp, in dem die Arbeit mit Leckerlis sehr ausführlich behandelt wird:

"Trainingsbuch Hundeerziehung" von Sabine Winkler, auch sonst sehr empfehlenswert

Kommentare

;) [antworten]

Frauchen lässt danken - besonders für die Buchtipps.

Max & Co | 02.04.2008, 23:26

Outing [antworten]

Hallo Hoshi,
also das mit den Leckerlis ist bei mir so: ich bin grundsätzlich von Anfang ein sehr schlechter Fresser, ganz egal, was man mir vor die Nase stellt! Und mit Leckerlis geht gar nix, außer es gibt sie mir jemand "Fremder" wie die Trainerin in der Schule ... dann tu ich nämlich immer so, als wäre ich total verfressen (zumindest meistens), und meine eigenen 2-Beiner sagen immer, ich tu so, als würde ich glauben, dass sie mich vergiften wollen, wenn sie mir was geben.
Mit dem Spielen und heftigen Streicheln nach erfolgreicher Übung klappt das viel besser bei mir! Bei Bel Ami, der alles aufsaugt, was er kriegt, klappts natürlich mit den Leckerlis.
Mein Herrchen war übrigens heute schon deutlich besser/schneller in der Schule ;-) Dein Artikel hat gefruchtet :-)
herzliche Grüße von Paris

Paris | 20.11.2008, 22:06

[antworten]

ups, ich wollte dir eigentlich auf deinen Rat auf
http://briard-blog.de/blog/post/1/1466
antworten, passt aber auch hierher ... sorry
Paris

Paris | 20.11.2008, 22:08

Fresser [antworten]

Hi Paris,

ja, sowas soll vorkommen, Hunde, die nicht gerne naschen.
Aber du magst auch keine Würstchen? Keinen Käse? Keinen Pansen?
Spielen ist genauso ok, aber Streicheln solte man NIE als Bestätigung nehmen, nur als Belohnung!
Kein Hund, kein Mensch mag es, wenn an ihm rumgetatscht :-) wird, während er sich konzentrieren muss.
Schön, dass sogar dein herrchen noch lernfähig ist :-)

Und was für Hunde gilt, gilt auch für Menschenkinder! :-)

Wüffchen
Hoshi

Hoshi | 21.11.2008, 00:56

[antworten]

Hi Hoshi,

also ich mag meist keine Würstchen, keinen Käse und keinen Pansen und auch sonst nix, wenn z.B. meine 2-Beiner mit mir alleine üben, ich mag das alles aber meist, wenn es mir die besagten "Fremden" geben (die Betonung liegt auf "meist"!). Und meine 2-Beiner haben den Verdacht, dass ich es dann deshalb mag, weil noch andere Hunde dabei sind (wie z.B. in der Hundeschule). Denn es ist immer dasselbe Muster: Die Trainierin gibt mir ein Leckerli, ich freue mich wie verrückt und erst danach nehme ich es auch von meinem Herrchen/Frauchen.
Kaum sind wir allein, klappt das aber nicht mehr so einfach.
Herrchen hat mich in der Konzentrationsphase eh nicht betatscht ;-), nur verbal ermuntert! Und wenns geklappt hat wird als Belohnung anfangs heftig geknutscht. Das klappt eigentlich schon ganz gut.
herzliche Grüße von Paris

Paris | 21.11.2008, 08:00

Mögen [antworten]

Hi Paris,

und du bist dir ganz sicher, dass du ein Hund bist? :-)
Hmmm, entweder hat du wirklich einen seltsamen Geschmack oder es hat mal eine gravierende Fehlverknüpfung stattgefunden, es wirkt wie Meideverhalten.
Merlin wurde auch gerne mit Knutschen belohnt :-)

Bei mir steht im Moment Dosenkatzenfutter für die Pfeife sehr hoch im Kurs :-)

Wüffchen
Hoshi

Hoshi | 21.11.2008, 19:46
 
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