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Briard - Blog

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Ägypten 2

Karina | 04. Februar, 2011 02:01

Überall ist in Ägypten bittere Armut zu sehen, Menschen arbeiten unter schweren Bedingungen für 20-50 EUR im Monat. Überall sieht man in den archäologischen Stätten die Steineklopfer, Ausgrabungshelfer:

Ich möchte nicht wissen, wieviele von ihnen später an einer Staublunge sterben und das für Centbeträge pro Tag:

 

 

Die Arbeitsbedingungen auf den Baustellen sind auch nicht besser, es gibt Bauarbeiter, die sich nicht mal Schuhe leisten können:

Ein Seelenverkäufer:

Eine Autofähre:

Selbstverständlich müssen Kinder zum Famileneinkommen beitragen:

Nilfischer:

Die Nilfischer hausen unter erbärmlichsten Bedingungen zu mehreren in diesen Strohhütten:

Seit dem Bau des Assuan-Staudamms gibt es nicht mehr viele Fische im Nil, gerade soviel, dass die Fischer nicht verhungern müssen:

Nun noch einige Details!

- ja, ich fand diese sehr offensiven Strassenverkäufer auch extrem lästig, nach wenigen Tagen hatte ich den Bogen aber raus und wenn ich böse auf arabisch reagierte liessen sie einen sehr schnell in Ruhe. Andererseits kann ich sie verstehen. Was würden wir machen, wenn unsere Kinder nachts vor Hunger nicht schlafen könnten??? Würden wir nicht auch mit vollem Einsatz versuchen, z.B. 10 Plunderartikel am Tag den reich erscheinenden Touristen aufzudrängen, damit wenigstens an diesem Tag die Kinder nicht hungrig ins Bett gehen müssen? Oder damit man ein Medikament für ein krankes Kind bezahlen kann? Und mir sind aufdringliche Strassenhändler erheblich lieber als kriminelle Strassenräuber, diese erlebt man nämlich gar nicht.

- wenn man mit einer sehr alten, nicht gesunden, wenig mobilen Mutter unter teilweise abenteuerlichen Bedingungen durch Ägypten reist, lernt man diese Bakschisch-Gesellschaft sehr schnell zu lieben! Ich habe es sehr genossen, mir jede Hilfeleistung für meine Mutter für wenig Geld kaufen zu können und diese Hilfeleistungen wurden immer von einem Lächeln begleitet. Aber wir haben auch viel natürliche Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit erlebt, wo wirklich kein Trinkgeld erwartet oder gar zurück gewiesen wurde.

Ich empfand es nahezu als Paradies, zurück in der Servicewüste Deutschland war es nahezu ein Kulturschock für mich.

- wer nur mit Mühe und Not seine Kinder und sich selbst satt bekommen kann, hat nicht mehr allzuviel Geld übrig für die Ernährung von Tieren. Und trotzdem hab ich gesehen, mehrfach, wie den halbverhungerten Streunerhunden von Einheimischen der ein oder andere Brocken zugeworfen wurde. Wenn ich aber in einem deutschen Blog lese, dass jemand seinen Hund absichtlich (!!!) über mehrere Tage/Wochen hungern lässt, um ihn damit zu "erziehen", seinen Willen zu brechen, seine Liebe zu erzwingen, ihm zu zeigen wo der Hammer hängt, nur weil der arme Hund es wagt mit anderen Hunden zu spielen, es sogar eine gut gehende Hundeerziehungsrichtung gibt, die v.a. auf Hungernlassen des Hundes basiert, bekomme ich das kalte Grausen!

- wie bereits gesagt, monatliches Einkommen von 20-40 EUR, der Mindestlohn beträgt 5 EUR, bei sehr geringem Fladenbrotpreis, aber 1 kg Fleisch kostet 10 Euro, 1 kg Erbsen 2 Euro, 30 Eier 2,50 Euro. Und dann braucht man ja auch noch Geld für Kleidung, Wohnen etc.

Unser 25-jähriger Reiseführer Ali, studierter Ägyptologe, verdiente ganz 15 EUR im Monat, bei freier Kost und Logis, wenn er auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet. Dafür kann er sich jeden Monat 1,5 kg Fleisch kaufen und sonst nichts, absolut nichts! Viel Trinkgeld bekam er nicht, die meisten, gerade die deutschen Touristen sind zu geizig.

Ich muss gestehen, wir haben für gute Dienstleistungen auch gutes Trinkgeld gegeben! Vielleicht haben wir damit die Preise versaut, vielleicht mag es kolonialistisch wirken, aber ich habe mich gefreut, wenn sich die Empfänger darüber gefreut haben. Ich hab auch für manches Foto hinterher den ein oder anderen Euro bezahlt.

Ali hatte mit ca. 10-15 Euro Trinkgeld in dem Umschlag gerechnet, den wir ihm bei unserem letzten Treffen am letzten Abend überreichten. Weil er uns beide aber so gut betreute und ständig auf unsere Sonderwünsche Rücksicht nahm, fand er ein vielfaches darin. (Die Reisegruppe bestand übrigens nur aus meiner Mutter und mir) Ali war so dankbar, dass er dann mitten in der Nacht von seinem Dorf zu unserem Schiff kam, um uns persönlich zum Flughafen zu begleiten, unsere Koffer zu tragen, meiner Mutter beim Ein- und Aussteigen zu helfen, einen Gepäckwagen zu organisieren etc. Und wieder genoss ich diesen Luxus-Service.

Zu den Wohnverhältnissen später mehr.

Karina

Kommentare

[antworten]

Danke für deine Klarstellung Karina

wer keinen all inclusiv Urlaub im Club sondern die Menschen und ihr Leben in einem fremdem Land erleben will, sieht auch Dinge die ein *normaler* Tourist nie erleben wird.
Die Frage ist; was will ich?
Ich ? ganz klar..... ;-) oder ?

Bussi Silvie

Silvie | 04.02.2011, 09:04

[antworten]

Wer das Gefühl hat von Menschen in einem Land ständig übers Ohr gehauen zu werden und abgezockt zu werden,, der behält es eben in schlechter Erinnerung. Für mich ist Armut auch kein Argument um Tiere zu quälen.

Emil | 05.02.2011, 10:52

[antworten]

Hi Emil,

ich kann deine Gefühle, besser gesagt die deines Frauchens :-), sehr gut nachvollziehen. Ägypten ist sehr gewöhnungsbedürftig, man muss sich darauf einlassen können.
Allerdings fühle ich mich abgezockt und zwar massiv, wenn ich mir z.B. vor 2 Jahren Trekkingschuhe für 250 EUR einer grossen renommierten Outdoor-Firma kaufe ( nein, die mit der Pfote, sondern echte) und nach nicht mal einem Jahr (!!!) sind nicht nur diverse Nähte an den Seiten aufgegangen, sondern es sind ausserdem noch diverse tiefe durchgehende Risse im Obermaterial. Nach 10 Monaten konnte ich diese teuren Schuhe wegschmeissen! Sie anzuziehen hat mich also jedes Mal 2-3 EUR gekostet.
Ich fühle mich hingegen nicht abgezockt, wenn ich bei einem ägyptischen Bananenverkäufer 1 Euro mehr für das Pfund Bananen bezahle als ein Einheimischer, ich betrachte es als eine Form von Entwicklungshilfe :-)

Nun habe ich sonst wenig direkt bezahlt, fast alles lief über unsere Reiseleiter.
In so einem Parfümverkauf wollten sie allerdings meine Mutter abzocken, haben aber nicht mit ihrer schwarfen Kontrolle gerechnet :-), die drauffolgende Szene war für mich eher amüsant :-)

Wie und wo seid ihr denn ständig abgezockt und übers Ohr gehauen worden, das interessiert mich sehr.

VG
Karina

Karina | 05.02.2011, 16:57

[antworten]

Wir wurden vom Flughafen zum Hotel mit einem nagelneuen Kleinbus gefahren. Der gleiche Fahrer bot uns nach Absprache mit dem Hotel an, unseren Ausflug nach Luxor zu organisieren. Von der Hotelleitung wurde er uns sogar empfohlen. Am Tag des Ausfluges kam ein schrottreifer Kleinbus vorgefahren mit einem Fahrer dessen Fahrstil uns alle in diesem Bus an den Rand des Wahnsinns trieb. Zusätzlich strömten ständig die Abgase des Wagens ins Auto, sodass uns allen nach 3 Std Fahrt auch noch kotzübel war. Nach unseren heftigen Beschwerden vor Ort wurde das Auto innen voller Duftbäumchen gehängt, damit man die Abgase nicht so riecht... dann war uns eben übel von den Bäumchen.
Im Hotel gab es mächtig Ärger, weil es z.B. weder die angebotene Kinderbetreung noch die Sauerstofftauchkurse gab. Es war ein richtig teueres Hotel - nach 5 Tagen streikten dann die Servicekräfte... klasse! Danke, diese Mentalität ist nicht die meine.

Emils Frauchen | 05.02.2011, 18:38

[antworten]

Ahhh, du warst in Hurghada! :-) Hurghada hat mit Ägypten ungefähr soviel zu tun wie der Ballermann auf Mallorca mit Spanien, einfach nur eine stinknormale Touristennepphochburg wie man sie überall findet.
Auf Barbados war z.B. der Swimmingpool nicht benutzbar, hat meinem Urlaub nicht geschadet, gab aber eine nette Reisepreisminderung :-)
Solche Hotels, solche Servicekräfte findest du überall auf der Welt ...
In Griechenland hat mir das Zimmermädchen auf Samos fast mein gesamtes sehr teures Parfüm geklaut, dafür brachte sie uns jeden Tag einen Riesenobstteller mit Obst aus dem eigenen Garten, trotzdem find ich Griechenland und Samos noch immer klasse und ich hab diesen Tausch stillschweigend hingenommen. Andere Länder, andere Sitten :-)

Als wir in Ägypten ankamen landeten wir um Mitternacht in unserem 5-Sternehotel neben den Pyramiden. Wir hatten 2 EZ gebucht und dafür teuer bezahlt, sie steckten uns aber in ein Doppelzimmer. Am nächsten Tag waren immer noch keine EZ frei, also hab ich Rabatz gemacht, beim deutschen Reiseveranstalter, und der Reiseleiter brachte uns für die beiden anderen Nächte in 2 EZ ins Sheraton, ein 6-Sternehotel, wir hatten uns erheblich verbessert. Ich fand diesen Tausch einfach nur geil und das bisschen Ärger war schnell vergessen.

Ansonsten hab ich um Touristenhochburgen immer einen grossen Bogen gemacht ausser zeitweise in Tunesien, aber da war ich eh die meiste Zeit auf Safari oder auf eigene Faust unterwegs.
Freunde hatten mal die Costa brava, Llorett de Mar in der Hochsaison gebucht und sich dann beschwert, dass dort jede Nacht Remmidemmi war :-)

Hurghada ist nur geografisch Ägypten. Schade, dass du daher keine gute Meinung von einem traumhaften Land mit vielen freundlichen Menschen hast :-(

VG
Karina

Karina | 05.02.2011, 22:57
 
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