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Briard - Blog

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Löschungstrotz

Karina | 12. Februar, 2011 09:01

Schon auf den Tag genau 4 Jahre alt dieser Artikel, aber doch sehr aktuell:

 

Frauchen meinte, wir sollten euch mal ein bisschen mehr über Kynologie erzählen, haben wir doch mittlerweile eine extra Kategorie dafür. Fangen wir also mit dem Löschungstrotz (extinction burst) an, eigentlich ein unheimlich lustiges Wort, aber eine sehr ernste Sache, die leider öfters zu Fehlern bei Herrchens und Frauchens führt. Die Definition für Löschungstrotz ist: Intensivierung des Verhaltens, wenn die Belohnung schlagartig ausbleibt. Ihr Menschen kennt das doch auch sehr gut. Ihr geht zum Kaffeeautomaten oder zum Zigarettenautomaten und wollt euch mit einer Tasse Kaffee oder einem Stinkestäbchen belohnen. Ihr verhaltet euch so, dass ihr Geld in den Automaten schmeisst, die richtige Taste drückt und dann wollt ihr eure Belohnung in Empfang nehmen. Aber Pustekuchen, der Automat funktioniert nicht, sondern spuckt nur das Geld wieder aus. Und was macht ihr? Ihr schmeisst das Geld wieder rein. Wieder fällt es nur durch, ohne Belohnung und dann fangt ihr schon an, die Münzen auszuwechseln oder an Metall zu reiben und schmeisst sie jetzt schon recht kräftig in den Geldschlitz. Ihr wiederholt das bestimmt noch etliche Male und dann fangt ihr an, ganz wild andere Tasten zu drücken und dann klopft ihr erst mit der Hand und dann haut ihr mit den Fäusten gegen den doofen Automaten und zum Schluss tretet ihr vielleicht sogar noch dagegen. Ja, haben wir schon öfters mal heimlich beobachtet. Ihr bekommt eure Belohnung nicht und ihr versucht mit immer mehr Einsatz, doch noch euren Kaffee oder eure Stinkestäbchen zu bekommen, werdet sogar aggressiv dabei. Oder ihr Frauchens kennt das ja auch, wenn euch ein besoffener Menschenmann blöde anmacht: je mehr ihr ihn abweist, desto aufdringlicher wird er. Nun ja, bei uns Hunden ist das nicht soviel anders. Wir wollen zwar nix aus Automaten ziehen, aber wenn unsere Belohnung plötzlich wegbleibt, wird unser Verhalten immer deftiger.  Deswegen stehen wir auch immer noch auf Anna, obwohl sie uns immer so blöde anzickt.

Mal ein paar Beispiele von uns Hunden. Wenn wir bisher immer ordentlich an der Leine ziehen durften, es aber Herrchen irgendwann zu blöd wird und er was dagegen unternimmt, einfach stehenbleibt oder so, ziehen wir erstmal besonders kräftig. Oder wenn wir bisher immer alle anspringen durften und plötzlich nicht mehr, springen wir erst mal besonders doll und hoch an. Und das gilt für ganz viele andere Verhaltensweisen auch.  Eigentlich ist es nämlich von der Natur sehr sinnvoll, wenn Lebewesen sich so verhalten und nicht gleich beim geringsten Misserfolg aufgeben. Sonst wären Menschen und Hunde schon längst ausgestorben, wenn es z.B. bei der Jagd oder der Brautschau keinen Löschungstrotz geben würde. So, und damit wir Hunde aus lauter Löschungstrotz nicht irgendwann den Automaten zertreten oder völlig frustriert unser Geld einstecken und abhaun, ist es sinnvoll, wenn ihr erstens konsequent seid, ein Rückfall und es geht wieder von vorne los, und wenn ihr uns zweitens eine echte Alternative anbietet.  Also dass wir euch nicht mehr anspringen, sondern uns vorsetzen und ein Leckerli bekommen. Da könnt ihr euch eine Menge toller Sachen ausdenken. Aber Löschungstrotz hat in der Erziehung und Ausbildung auch unheimlich viele Vorteile, es ist nicht nur negativ. Man kann damit nämlich auch ein erwünschtes Verhalten prima festigen. Wenn wir für ein bestimmtes Kommando nicht immer eine Belohnung bekommen, zeigen wir es beim nächsten mal besonders gut, um doch noch unser Leckerli zu bekommen, Das kann man für Prüfungen prima ausnutzen.

Wenn ihr so ein bisschen darauf achtet, werdet ihr in viel mehr Dingen den Löschungstrotz entdecken. Habt ihr mal je versucht, einen anderen Hundehalter davon zu überzeugen, dass es keine Dominanz gibt oder dass es sinnlos und schädlich ist, Hunde zu bestrafen oder dass ein Leinenruck/Alphawurf Blödsinn ist oder dass Hunde ins Schlafzimmer gehören? Da werdet ihr einem unglaublichem Löschungstrotz erleben, unser Frauchen kann so manches Lied davon singen.

Euer Merlin und Dojan

Belohnung - Bestätigung - Bestechung

Karina | 19. November, 2008 19:33

Eigentlich ist doch jedes dieser Worte auch im allgemeinen Sprachgebrauch eindeutig definiert, aber viele, sehr viele Hundehalter kennen weder die Unterschiede noch machen sie sich überhaupt klar, dass es immens wichtige Unterschiede gibt. Da wird dann das ein oder andere verteufelt ohne dass derjenige auch nur ansatzweise verstanden hat, was er eigentlich verteufelt. Tongue out

Manchmal ganz schön traurig, denn wie immer muss es der Hund ausbaden und das Lernen wird ihm deutlich erschwert.

Es gibt ja viele, viel zu viele Hundehalter, die kategorisch das Arbeiten mit Leckerlis ablehnen. Kann man in jedem x-beliebigem Hundeforum regelmässig lesen. Und immer, wenn man auch nur ein bisschen nachhakt, kommt heraus, dass diese Leute keine Ahnung von Belohnung - Bestätigung - Bestechung haben. Traurig, aber wahr. Und ihre Hunde sind immer deutlich intelligenter als ihre Halter Cool.

 

Belohnung:

Ich belohne jemanden, nachdem er eine bestimmte Handlung ausgeführt hat, danach bekommt er seine Belohnung, wenn er mit der Handlung fertig ist.

- Ich sage zum Hund "Sitz":

- der Hund setzt sich hin

- wenn er sitzt, bekommt er seine Belohnung, z.B. sein Leckerli. Kann aber immer auch ein Spielzeug oder sonstwas sein, was der Hund als Belohnung empfindet. Der Einfachheit halber wird im folgenden Text immer Leckerli stehen, ersetzt es durch Ball, Quietschi, was auch immer.

Er weiss dann, dass seine Handlung richtig war und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auf das nächste "Sitz" wieder richtig reagieren. Damit eine Belohnung aber auch als solche beim Hund ankommt, sollte sie innerhalb von 1-2 Sekunden erfolgen. Schafft man es nicht, das Leckerli in diesem Zeitfenster aus der Tasche (!) zu zaubern, kommt vorweg schon das verbale Lob, um das Zeitfenster der Verknüpfung zu nutzen. Was später kommt, wird nicht mehr mit der vorangegangenen Handlung verknüpft!

Ist ein Kommando wirklich gefestigt, belohnt man nur noch jedes 2. oder 3. oder 5. Mal die Durchführung.

 

Bestätigung

Ich bestätige jemanden, während er eine Handlung durchführt, er bekommt seine Bestätigung, bevor er mit der Handlung fertig ist. Bestätige ich ihn erst nach der Handlung, ist es eine Belohnung!

Für das Bestätigen ist gerade der Clicker unschlagbar, weil ich mit ihm innerhalb von Sekundenbruchteilen reagieren kann. Gerade hier ist das Timing enorm wichtig.

- Ich sage zum Hund "Sitz":

- der Hund bewegt seinen Hintern Richtung Boden

- während der Hund seinen Hintern Richtung Boden bewegt, bekommt er seine Bestätigung, z.B. das Leckerli oder den Click (+ Leckerli)

Eine Bestätigung ist ein deutlich besserer Verstärker für ein Verhalten als eine Belohnung! Die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund aufs "Sitz" richtig reagiert, ist höher als bei der Belohnung. Bei der Belohnung weiss der Hund nicht so genau, ob er sie für das Bewegen seines Hinterteils Richtung bekommt oder dafür, dass er sitzt.

Ein anderes Beispiel: wenn wir Leute im Wald verstecken, ist es gerade für die Anfängerhunde in der Rettungshundeausbildung extrem wichtig, dass sie während des Bellens bestätigt werden und nicht nach dem Bellen belohnt werden. Sie könnten das nämlich auch mit einer Bellpause verknüpfen. (Neue Helfer brauchen ca. 1 Jahr, bis sie das kapieren Tongue out)

Warum lieben es die Sportler wohl, wenn sie während ihrer Leistung angefeuert werden? Cool Klatschende Zuschauer an der Strecke? Ja, es motiviert sie zu Höchstleistungen, weil sie wissen, dass das, was sie gerade tun, richtig ist.

 

Bestechung

Bestechung ist nicht nur im allgemeinen Leben, sondern auch in der Hundeerziehung verpönt, aber wie schon oben geschrieben, die Leute, die das Arbeiten mit Leckerlis vehement ablehnen, haben letztendlich immer mit Bestechung gearbeitet. Und es spricht eigentlich nur für die Hunde, wenn sie sich auf Dauer nicht bestechen lassen Cool. Allerdings gibt es auch durchaus mal Situationen, wo es legitim ist einen Hund zu bestechen. Es ist aber ziemlich idotisch, einem durchstartenden Hund, der gerade einen Hasen hetzen will, ein Leckerli unter die Nase zu halten in der Hoffnung, dass er nicht loshetzt. Und dann vielleicht noch so ein olles klitzekleines Trockenfutterbröckchen. Und diese Leute sind es dann, die lauthals gegen die Verwendung von Leckerlis protestieren. Schade, sehr schade für ihre Hunde!

Ich besteche jemanden, bevor er eine Handlung durchführt, er sieht seine Bestechung vorher und kann dann entscheiden, ob es sich für ihn lohnen wird, diese Handlung durchzuführen oder eine andere oder gar nichts.

- Ich halte dem Hund ein Leckerli vor die Nase

- ich sage zum Hund "Sitz"

- vielleicht setzt sich der Hund, vielleicht bleibt er stehen oder springt hoch oder guckt einem Vögelchen hinterher. Wenn er das Leckerli sieht, wenn er hochspringt oder dem Vögelchen hinterherguckt, wird er durch den Leckerlianblick automatisch belohnt, das ist die andere grosse Gefahr bei der Bestechung. Und jetzt wisst ihr, warum Leckerlis immer in einem verschlossenen Behälter in der Tasche sein sollten!

Eien weitere Gefahr ist, dass die Hunde sich sonst wie bewegen, um an das Leckerli zu kommen, ihnen aber gar nicht klar ist, wie sie sich genau bewegen  müssen. Unsere Hunde sollen z.B. nicht möglichst schnell über eine liegende Leiter rasen, sondern langsam und gesittet. Sie sollen lernen, jedes Pfötchen gezielt auf eine Sprosse zu setzen.

Siehe auch HIER oder HIER oder HIER.

Aber gerade bei sehr jungen oder ängstlichen Hunden kann es durchaus mal sinnvoll sein, sie mit leckeren Leckerlis zu bestechen oder zu locken. Hoshi hat ja leider schon sehr oft Augentropfen nehmen müssen, da hab ich von Anfang an mit Bestechung gearbeitet. Mit der linken Hand, in der ein leckeres Leckerli ist, halte ich sanft seine Schnute fest, während ich mit der rechten Hand ins Auge tropfe. Hoshi hat blitzschnell kapiert, dass die Leckerlihand sofort aufgeht, wenn er geduldig still hält. Kein Wehren, kein Sträuben, er hält völlig still.

Oder wenn wir bei der Ausbildung sind, steigt er nicht wirklich gerne ins Auto um zu warten. Von Anfang an schmeisse ich immer eine Handvoll Leckerlis rein, um ihn ein bisschen zu trösten und auch das klappt wunderbar. Er steigt dann ein und wartet dann geduldig und ruhig.

Kreidet es bitte nicht den Leckerlis als solchen an, wenn mal etwas nicht klappt, sondern überprüft genau, welche Leckerlis ihr wie anwendet. Es hapert im Allgemeinen nicht an der Methode, sondern beim Anwender! Auch das gilt natürlich genauso fürs Spielzeug etc.

So, ich hoffe, ich hab euch mit diesem langen Text nicht gelangweilt, aber ich wollte das schon seit langem mal loswerden Cool. Noch Fragen?

Karina

Platz und Bleib 3

Karina | 22. Januar, 2008 00:08

Nachdem wir im 2. Teil etwas abgeschweift sind, gehts weiter.  Ich, Dojan, bleib immer ganz ruhig liegen, wenn Frauchen das so will:

Atli ist dabei nicht sonderlich entspannt, der ist auf dem Sprung Cool:

3. Wenn ihr jetzt 500 Euro darauf verwetten würdet, dass euer Hund auf Sichtzeichen und Kommado Platz sich sofort hinlegt in ablenkungsfreier Umgebung, könnt ihr anfangen, die Belohnung nicht sofort zu geben, sondern erst nach 1-2 Sekunden, aber macht es ein bisschen spannend dabei. Zögert  es langsam immer weiter hinaus, bis der Hund einige Minuten ruhig liegenbleibt. Aber niemals dabei vergessen: jedes Kommando, das ihr einem Hund gebt, muss immer aufgelöst werden, d.h. ihr sagt sowas wie prima oder lauf oder fertig oder was auch immer. Ob ihr beim Platz und Bleib auch "Bleib" nach dem "Platz" sagt, müsst ihr selbst entscheiden.

4. Jetzt könnt ihr anfangen, das Platz mit mehr Ablenkung zu üben, aber steigert die Ablenkung langsam. Und wenn der Hund sich sofort hinlegt, kommt wieder sofort die Belohnung! Ihr müsst euch immer entscheiden, was ihr steigern wollt, entweder die Ablenkung oder die Liegezeit, aber nicht beides gleichzeitig! Legt sich der Hund auch unter grösster Ablenkung sofort hin, könnt ihr die Liegezeit steigern. Bleibt aber noch immer bei ihm!

5. Bleibt der Hund auch unter Ablenkung einige Minuten lang liegen, geht wieder an den Anfang zurück in die ablenkungsfreie Umgebung. Liegt der Hund, tretet ihr einfach unauffällig mal einen Schritt zur Seite, wieder zurück und Belohnung. Dann irgendwann 2 oder 3 Schritte und steigert es langsam. Könnt ihr einige Meter weggehen, dreht nicht sofort wieder um, sondern fangt an, es langsam zu verzögern.

6. Wenn das sitzt, wird wieder die Ablenkung gesteigert. Aber jetzt müsst ihr unheimlich gut aufpassen, ob ihr die Ablenkung oder die Liegezeit oder die Entfernung oder die Entfernungszeit steigern wollt, nie mehrere Sachen gleichzeitig! Damit ihr nix durcheinander bringt, macht euch am besten Notizen und überlegt euch jedes Mal vor dem Training, was genau ihr überhaupt trainieren wollt, geht es vorher in Gedanken alles durch.

7. Jedes Mal, wenn der Hund aufgestanden ist, zeigt er euch, dass ihr zu schnell vorgegangen seid und ihr müsst wieder 1-2 Lernschritte zurück gehen.

8. Steigert nicht immer alles kontinuierlich, das wird dann langweilig. Auch wenn euer Hund in dieser Übung schon weit fortgeschritten ist, belohnt ihn einfach mal zwischendurch, sobald er sich schon hinlegt. Variiert die Belohnung. Übrigens muss es auch nicht immer die gleiche Belohnung sein Smile, nicht nur Wurschti Würstchen, auch mal Käse oder zum Abschluss den Ball.

9. Denkt an den ersten Teil: jeden Tag viele Male üben, aber immer nur ganz, ganz kurz. Und nach dem Üben sollte es einige Minuten Ruhe geben, in denen nix Aufregendes passiert. was ihr direkt vor der Schlafenszeit übt, prägt sich am besten ein! Die Natur hat den Schlaf für die höheren Tiere erfunden, damit das Gehirn im Schlaf die Zeit hat, Gelerntes zu verfestigen, im Schlaf werden die meisten Datenautobahnen aufgebaut.

10. Liegt euer Hund mit Ablenkung mehrere Minuten ruhig im Platz, obwohl ihr 20 oder 30 Meter weiter wegsteht, wendet ihr ihm in der Stehzeit langsam den Rücken zu. Ihr solltet aber einen Spiegel dabei haben oder jemanden, der euch Bescheid sagen kann, wenn der Hund schummelt. Und dann verschwindet mal kurz ausser Sichtweite und auch das wird langsam gesteigert.

11. Das Sitz und Bleib oder das Steh und Bleib wird übrigens genauso aufgebaut, ist aber etwas schwerer, weil Hunde mitdenken und sich hinlegen wollen, wenn sie eh länger warten müssen. Cool

12. Jetzt seid ihr am Ziel! Euer Hund legt sich sofort und freudig auf euer Platz-Signal hin, obwohl andere Hunde und Menschen in der Nähe sind und ihr könnt bequem um die nächste Ecke bummeln und euch dort einige Minuten aufhalten. Und wenn ihr wieder zurück zum Hund geht, liegt er ganz entspannt da, wo ihr ihn abgelegt habt und wartet auf euch. Wir nutzen diese Zeit gelegentlich für ein kleines Nickerchen Cool

13. Zusammengefasst: das Wichtigste ist:

- dass ihr diese Übung in möglichst viele kleine Schritte unterteilt

- dass ihr immer nur einen Teil steigert, nie mehrere

-  die Reihenfolge, was ihr als erstes steigert, ob die Ablenkung oder die Liegezeit usw. ist nicht so wichtig

- dass es eurem Hund jedes Mal viel Spass macht, mit euch zu üben und dass es euch auch Spass macht

- beendet eine Übung, solange es euch beiden noch Spass macht und/oder wenn der Hund die Übung besonders schön ausgeführt hat

- dass ihr nie ungeduldig werdet und euren Hund überfordert und frustriert oder noch schlimmer, zu Zwang oder Gewalt greift!

- dass es sich für euren Hund lohnt, mit euch zu üben, weil er immer eine tolle Belohnung bekommt.

- verliert niemals die Geduld, auch wir Hunde haben manchmal Zeiten, wo wir nicht so richtig Lust haben, mit euch zu üben. Lasst an solchen Tagen die Übungen einfach weg und spielt nur mit uns.

- wir Hunde sind keine Roboter, wir funktionieren nicht automatisch. Wir wollen euch ja gefallen und gerne mit euch zusammenarbeiten, aber ihr müsst uns dabei helfen

- macht keine komplizierten Übungen mit uns an Tagen, wo es euch selbst aus den unterschiedlichsten Gründen nicht gut geht. Spielt oder kuschelt einfach nur mit uns.

Bevor wir jetzt noch stundenlang weiterschreiben, hören wir lieber auf, auch wenn uns noch so einiges zu diesem Thema einfällt. Und wenn ihr Fragen habt, fragt ruhig.

Euer Merlin und Dojan

PS: Und ausserdem kann so ein Kommando sehr praktisch sein, wenn ihr Fotos von eurem Hund machen wollt, unser Frauchen benutz das Platz/Steh/Sitz und Bleib öfters mal dafür Cool 

Platz und Bleib 2

Karina | 19. Januar, 2008 20:50

So, von den Grundbedingungen haben wir euch ja schon im ersten Teil erzählt. Jetzt erzählen wir euch, in wieviele Details man das Platz und Bleib zerlegen kann, damit wir Hunde es auch optimal lernen, es sicher sitzt und wir ohne Stress auch bei grösster Ablenkung sicher liegen bleiben so wie die Dhanna:

Sogar Jack Russell Terrier können es lernen:

1. Zuerst müsst ihr dem Hund natürlich das Kommando "Platz" beibringen, idealerweise mit dem Clicker.  Am besten mit Sicht- bzw. Handzeichen und mit der Stimme, denn die Handzeichen machen es für uns Hunde einfacher und die Stimme für euch Menschen. Aber niemals, wirklich niemals dürft ihr den Hund dabei anfassen oder gar ins Platz runterdrücken oder ganz schlimm, dabei auf die Leine treten (vor gar nicht langer Zeit hat Frauchen gesehen, wie jemand seinen 12 Wochen (!) alten Welpen, der auch noch ein Würgehalsband trug *brech* brutalst möglich ins Platz zwang, indem er heftig auf die Leine trat und damit den Welpen auf den Boden riss, gleichzeitig dabei "Platz" brüllend. Frauchen war so entsetzt, dass sie kreidebleich wurde. Auf ihre Fragen wurde ihr "erklärt", dass das so im Retrieverclub üblich sei und so gelehrt werde und ausserdem das Platz ein Zwangskommando sei. Glaubt bloss nicht so einen Mist wie mit dem Zwangskommando. was Frauchen am liebsten mit diesem Typen gemacht hätte, können wir euch leider nicht erzählen, denn das wäre nicht jugendfrei)

2. Übt das Platz erstmal zu Hause völlig ohne Ablenkung und sobald der Hund liegt, bekommt er sofort seine Belohnung. Das Leckerli legt ihr entweder auf den Boden zwischen seine Vorderfüsse oder ihr legt eure Hand mit dem Leckerli auf den Boden unter die Schnute des Hundes. Wenn ihr es nur so hinhaltet, steht der Hund natürlich sofort wieder auf.

3. und alles weitere kommt im dritten Teil.

Euer Merlin und Dojan

Platz und Bleib 1

Karina | 17. Januar, 2008 14:33

Wer von euch hat das noch nicht gesehen? Der Hund soll im Platz bleiben und Frauchen/Herrchen entfernt sich und was macht der Hund?

Genau, die Hunde stehen auf und laufen mehr oder minder langsam, jede Menge Beschwichtigungssigale ausstrahlend zum Halter hin oder sie robben Meter für Meter in Richtung des Halters:

Der Grund dafür ist, dass das Bleiben im Platz meistens nicht richtig aufgebaut wird und der ungeduldige Halter viel zu schnell mit viel zu grossen Schritten vorangeht.  Und weil es ein sehr wichtiges und sehr praktisches Kommando ist, erzählen wir euch mal wie es richtig aufgebaut wird. Es sollte, wie eigentlich alles, in sehr, sehr kleine Lerneinheiten zerlegt werden die immer wieder geübt werden. Und da der Erfolg sich trotz dieser kleinen Schritte doch echt schnell und vor allem auch sicher einstellt, dauert es gar nicht länger. Besonders übel ist es, wenn es falsch ausgebildet wird und dann der arme Hund mit Starkzwang und/oder Gewalt malträtiert wird, obwohl es gar nicht richtig gelernt hat.

Grundvorraussetzung für jedes Lernen: ablenkungsfreie und vertraute Umgebung und entspannte Lernathmosphäre! Das "Platz und Bleib" ist schon eine recht komplexe Übung, werden komplexe Übungen zu früh als Ganzes trainiert, wehrt das Gehirn des Hundes diese Informationen als unwichtig und zufällig ab, ein natürlicher Schutzmechanismus des Gehirns. Ausserdem erzeugen zu grosse Lernschritte Frust beim Hund.

Übt ruhig 10-15 mal am Tag, aber die Übung nur je 1-5 mal hintereinander und denkt an die nette Belohnung, am einfachsten sind für die meisten Hunde leckere Leckerlis, zum Abschluss kann auch mal der Ball oder das Lieblingsspielzeug fliegen. Und denkt dran: Anfassen des Hundes ist strengstens verboten, ausser hinterher zum Streicheln und vergesst dieses unseelige auf die Leine-Treten, wie es leider noch immer zu sehen ist.

Auch wichtig: schaut euch vorher den Platz genau an, an dem der Hund liegen bleiben soll! Keine Scherben, keine Eispfützen, keine Stelle, an der andere Hunde vorher hingepullert haben. Leicht frierende Hunde, Hunde mit nacktem Bauch, sollten das Platz und Bleib nicht unbedingt im Winter auf eisigem Boden üben! Macht es uns Hunden nicht unnötig schwer, schon gar nicht am Anfang der Übung!

Und wie das jetzt ganz genau und detailliert aufgebaut wird, erzählen wir euch im nächsten Teil.

Euer Merlin und Dojan

Netzwerk des Lernens

Karina | 15. August, 2007 17:18

Nach der Einleitung zum Lernverhalten von Hunden noch ein bisschen was zu der Anatomie, die hinter dem Lernen steckt. Stellt euch vor, ihr geht jeden Tag durch einen Urwald mit vielen Bäumen und Büschen und viel Unterholz spazieren. Ihr müsst euch da jeden Tag langsam durchkämpfen und braucht immer sehr lange dazu. Anfangs seid ihr die einzigen, die dort durch gehen, aber jeden Tag gehen durch diesen Urwald auch andere Hunde durch, jeden Tag mehr. Es entsteht langsam ein Trampelpfad und ihr kommt schon viel schneller vorwärts. Nach ein paar Wochen ist aus dem Trampelpfad ein bequemer Weg geworden

noch später wird eine Strasse daraus und irgendwann ist es eine richtige Autobahn und ihr braucht nur noch einen Bruchteil der Zeit, um durch den Urwald zu kommen. Unser Gehirn ist auch so ein Urwald mit Milliarden von Nervenzellen und die alle brauchen Wege untereinander für die vielen Informationen. Und je weniger der Weg ein Trampelpfad ist, sondern eine echte Autobahn, um so besser können wir bestimmte Sachen miteinander verknüpfen.  Und das ist das Lernen, das Verknüpfen von vielen Nervenzellen miteinander mit möglichst grossen Strassen. Jedes Mal, wenn wir eine Übung wiederholen, wird der Weg ein wenig breiter, bequemer und schneller. Und je mehr Wege und Strassen vorhanden sind, desto mehr neue Wege und Strassen entstehen auch.  Diese Vernetzungen bewirken unser Verhalten. Vernetzungen können sich aber auch ändern! Da wird mal eine Autobahn stillgelegt oder aus einer Strasse wird eine Sackgasse und damit ändert sich auch unser Verhalten, lebenslang.  Sollte also ein Hund irgendeine Unart haben, kann man die Strasse für diese Unart stilllegen, eine Umleitung bauen, was auch immer. Und wenn eine Strasse lange nicht benutzt wird, wird sie von dem Urwald wieder überwuchert und kann dann nicht mehr benutzt werden, also muss sie auch regelmässig benutzt werden, wenn man das Wissen erhalten will.

Das Gehirn wächst nicht wie andere Organe durch Zellteilung, sondern dadurch, dass die Nervenzellen Verbindungen ausbilden, die sich untereinander verknüpfen und immer dicker werden. Die Arbeit dieser Nervenzellen ist echtes Teamwork, denn die Nervenzellen arbeiten nie alleine, sondern immer in grossen Gruppen von 100 bis 1000 Stück. Und jede Nervenzelle hat bis zu 15.000 Verbindunegn zu anderen Nervenzellen. Ein Strassennetz, fast so gross wie in den USA Foot in mouth.

Tja, und wenn man das alles weiss, weiss mensch auch, dass das ideale Training aus kleinen, täglichen, spassmachenden Lernschritten mit vielen Wiederholungen und sich langsam steigernden Ablenkungen besteht. Und nun wisst ihr auch, wie es passieren kann, dass wir eine Übung, die wir schon oft zuverlässig gezeigt haben, plötzlich nicht mehr zeigen. Aber manches verlernen wir nie Wink

Mehr zum Lernen in Teil 4.

Euer Merlin und Dojan

Lernen nach Geschlecht

Karina | 04. August, 2007 15:06

Und weiter gehts mit dem Lernen bei uns Hunden. Wusstet ihr, dass es Unterschiede bei Rüden und Hündinnen gibt? Also nicht nur die üblichen, dass viele Weiber ganz schöne Zicken sind:

oder dass manche Mädels ganz schön kess sind:

sondern dass es auch beim Lernen Unterschiede zwischen uns Jungs und den Mädels gibt? Klar gibt es auch Ausnahmen, aber im Prinzip ist es so, dass die Hündinnen neue Aufgaben und Übungen schneller erfassen als wir Rüden. Ausserdem brauchen sie weniger Wiederholungen, um eine neue Übung zu lernen. Naja, ist ja auch logisch oder? Wir müssen uns immer noch um vieles anderes gleichzeitg kümmern, was der Rüde gegenüber gerade so macht, ob wir dem mal wieder eins auf die Mütze geben müssen, wo hier die leckeren Weiber sind, wonach es hier riecht und dort riecht und so. Da können wir uns nicht immer voll auf eine Übung konzentrieren, und brauchen daher etwas länger und etwas mehr Wiederholungen. Aber wenn eine Übung bei uns erst sitzt und wir sie verstanden haben, dann sitzt sie auch. Wir Rüden zeigen die neuen Übungen hinterher nämlich viel stabiler, sind zuverlässiger und nicht so zickig und launisch. Dass die Mädels schneller sind, ist in der Natur auch sehr sinnvoll, da hat sich jemand schon was dabei gedacht. Die Hündinnen müssen sich ja um die Welpen kümmern und da gilt es schnell eine neue Situation zu erfassen und sich anzupassen, um das Überleben zu sichern.  Rausgefunden haben das die Engländer bei einer grossen Untersuchung an ganz vielen Hunden.

Die haben dabei noch was anderes entdeckt, was für uns aber eigentlich logisch ist: dass nämlich die Genies unter den Hunden ihre Herrchens oder Frauchens ganz besonders doll lieben und andersrum, dass da eine besonders enge Bindung mit ganz viel Vertrauen war.  Tja, das zeigt ja wohl deutlich, dass wir Hunde bei Zwang, Strafe, Unberechenbarkeit und mangelndem Vertrauen nicht besonders gut lernen. Aber das wird noch mal ein eigenes Kapitel sein.

Wird wohl schon seinen Grund haben, warum Frauchen immer nur Rüden gehabt hat oder hat und niemals Hündinnen.

Mehr zum Lernen in Teil 3.

Euer Merlin und Dojan

Was ist Lernen?

Karina | 01. August, 2007 23:37

Könnt ihr uns eigentlich genau sagen, was Lernen eigentlich wirklich ist? Was es genau bedeutet? Habt ihr euch schon mal Gedanken darüber gemacht, was in uns Hunden so alles vor sich geht, wenn wir was lernen sollen? Und warum das oft nicht klappt, wenn ihr uns was lehren wollt? Daher starten wir heute eine neue Serie über das Lernverhalten von uns Hunden, wo wir euch einiges davon erklären wollen.

Schaut mal, was so ein kleiner Jeffi alles lernen mus:

Und dann vielleicht noch, wenn alle Reize gleichzeitig auf ihn einstürzen.  So, also was genau ist Lernen? Es gibt unheimlich viele verschiedene Definitionen, aber sie haben doch vieles gemeinsam.

Konfuzius:

"Erkläre es mir, und ich werde es vergessen. Zeige es mir, und ich werde mich erinnern. Lass es mich selber tun, und ich werde es verstehen."

Ihr müsst jetzt schon selber darüber nachdenken, was Lernen ist, denn wenn wir es nur erklären, vergesst ihr es wieder Smile.

Lernen ist:

- eine (relativ überdauernde) Änderung

- von Verhaltensweisen

- auf Grund von Erfahrungen.

Habt ihr das gewusst? Aus flüchtigen Erfahrungen werden bleibende Erinnerungen.

Unser Gehirn schläft nie, es ist immer aktiv, rund um die Uhr, unser ganzes Leben lang. (wahrscheinlich sogar bei Pudeln Wink). Wir lernen immer, auch wenn ihr das ganz oft gar nicht merkt, sondern irgendwann sehr überrascht seid, ja, wir lernen sogar im Schlaf.

Überlegt mal, was wir als kleine Welpen alles schon lernen müssen, wir sollen unsere Geschäfte nicht drinnen machen, wir müssen unseren Essnapf und Wassernapf finden, unseren Schlafplatz, eure ganze Menschenprache müssen wir lernen, auf für uns bedeutungslose Wort wie Sitz oder Platz richtig reagieren, sie überhaupt aus dem Hintergrundrauschen herausfiltern, wie man mit Hund A und Hündin B umgeht, was man mit Katzen und Vögeln machen kann, dass man nicht an der Leine zieht, nicht immer bellen darf, dass man nicht alles essen darf, was man findet, wann ihr was mit uns vorhabt, dass wir nicht über die Strasse rennen dürfen, was man mit Spielzeug alles anstellen kann, dass wir nicht jeden anspringen dürfen, wie man am besten einen grossen Knochen kleinkriegt, was dieses oder jenes Geräusch oder Bewegung bedeutet und bestimmt noch hundertausend Dinge mehr. Und es hört nie auf, unser ganzes Leben lang lernen wir dazu. Mal ein Beispiel dazu, wie Lernen nicht funktioniert:

Mensch sagt: Sitz. Hund setzt sich. Mensch lobt.
Mensch denkt: Hund sitzt, weil ich Sitz gesagt habe.
Hund denkt: ich werde gelobt, weil ein Schmetterling vorbei fliegt. (Hund hat sich hingesetzt, um Schmetterling besser beobachten zu können. )

Mensch sagt: Sitz. Hund bleibt stehen.
Mensch denkt: der Hund ist trotzig, er kann es doch, na warte, dem werde ich es zeigen.
Hund denkt gar nix. (kein Schmetterling da)

Mensch brüllt: SITZ.
Hund denkt: ohje, Mensch ist böse auf mich, mach ich mich lieber ganz klein und setze mich, damit er mich nicht mehr so gut sieht.
Mensch denkt: na also, geht doch, er weiss ja doch, was ich will.
Mensch lobt.
Hund denkt: komisch, gar kein Schmetterling zu sehen, aber schön, dass Mensch nicht mehr böse ist.

Usw. usf.

Und damit ihr diese bösen Erziehungsfallen vermeidet, werden wir euch es mit dem Richtigen Lernen nach und nach erklären.

Mehr zum Lernen in Teil 2.

Euer Merlin und Dojan

Klassische Konditionierung

Karina | 02. März, 2007 12:58

Von der klassischen Konditionierung habt ihr Menschen bestimmt schon mal alle gehört, vielleicht zuletzt in der Schule, Pawlow und seine Hundeversuche mit der Klingel und so. Unheimlich wichtige Versuche, sehr wichtige Ergebnisse, aber leider war es auch Tierquälerei, das sollte man dabei nicht vergessen. Ein Hoch auf unsere Kumpels, die unter unsagbaren Bedingungen das Leben für uns alle ein wenig einfacher gemacht haben. *eine kleine Schweigeminute*

Ist euch Menschen eigentlich klar, wieviel wir Hunde durch die klassische Konditionierung eigentlich lernen und wieviel ihr uns unbwusst damit beibringt? Bestimmt nicht Wink. Darüber wollen wir euch heute mal ein bisschen erzählen und glaubt uns, das ist alles gar nicht so furchtbar kompliziert, wie viele glauben. Immerhin kapieren wir Hunde es doch auch, manchmal sogar extrem schnell. Aber eine Warnung: die klassische Konditionierung ist nur EIN kleiner Teil unseres Lernverhaltens, wir haben noch viele andere Lernmethoden auf Lager, von denen wir euch immer wieder mal berichten werden. Bitte reduziert uns nicht auf stupide Reiz-Reaktions-Machinen, das sind wir Hunde nämlich wirklich nicht, wir sind intelligent, wir können denken und wir haben eine Seele und ein Bewusstsein und auch Gefühle, vergesst das niemals bei allem, was ihr Menschen mit uns macht!

Ihr kennt das doch bestimmt auch: ihr habt eine kleine Plastiktüte in der Hand und raschelt und knistert damit und sofort kommt euer Hund angerannt und bettelt. Oder an der Wohnungstür klingelt es und sofort kommt euer Hund an die Tür gerannt und bellt vielleicht. Oder ihr macht euren Computer aus und bei dem Geräusch steht euer Hund sofort freudig wedelnd neben euch und will mit euch spazierengehen. Das alles ist klassische Konditionierung und euch fallen bestimmt noch viel mehr Beispiele dazu ein.

Für Welpen haben Reize wie knisternde Plastiktüten, Haustürklingeln oder Computergeräusche erstmal überhaupt keinerlei Bedeutung, sind einfach nur Umweltgeräusche.  Aber Welpen sind ja nicht blöd, sondern beobachten immer alles genau und lernen dadurch. Wenn aus der Plastiktüte leckere Leckerlis kommen oder nach der Haustürklingel netter Besuch zum Spielen kommt oder ihr nach dem Computerausschalten eure Schuhe und Jacke anzieht und die Leine vom Haken nehmt, verknüpfen wir damit die nachfolgende Handlung und reagieren schon bald auf das Geräusch, den Reiz mit unserem Verhalten, weil wir wissen, was dann folgen wird. Ihr müsst es nur ein paarmal machen und es klappt schon. Ist doch ganz einfach oder? Man kann das auch ganz einfach in der Hundeerziehung benutzen, zum Beispiel beim Clickern. So ein Knackgeräusch hat ja auch erst keinerlei Bedeutung für uns, aber bekommen wir danach immer eine Belohnung, finden wir das Knackgeräusch ganz schnell ganz toll. Oder schnalzt immer mit der Zunge. Unser Frauchen hat so ein ganz komisches Geräusch, sie quietscht mit den Zähnen auf der Lippe und dann kommen wir sofort zu ihr hingerannt, weil wir eine Belohnung bekommen.

Die Reizgeneralisierung bedeutet, dass ähnliche Geräusche ähnliche Reaktionen bei uns auslösen, wenn also was anderes raschelt als eine Plastiktüte oder wenn ein Eiswagen klingelt. Wenn danach aber keine Belohnung kommt, werden wir ähnliche Geräusche zukünftig ignorieren. Oder wenn ein Mensch mal von einem kleinen Hund gebissen wurde, hat er vielleicht danach Angst vor allen Hunden, auch vor grossen. Und jetzt wisst ihr, warum wir keine Schäferhunde mögen Smile

Übrigens, klassische Konditionierung funktioniert nicht nur mit positiven Folgen, sondern auch mit negativen! Da verknüpfen wir Hunde einen neutralen Reiz mit etwas Unangenehmen. Merlin sind Schafe eigentlich egal, aber nachdem er einige Male dusselig an den dünnen Schafszaun gerannt ist, der unter Strom stand, geht er Schafen seitdem weiträumig aus dem Weg. Glücklicherweise löscht/schwächt sich ab sich sowas auch schnell wieder, denn wenn Merlin einige Male an Schafen vorbeigeht ohne einen Stromschlag zu bekommen, vergisst er das wieder und Schafe sind ihm wieder egal. Deswegen funktioniert es auf Dauer auch nicht, uns Hunde für unerwünschtes Verhalten zu bestrafen! Aber deswegen ist es wichtig, einem Clicker immer wieder die Belohnung folgen zu lassen.

Mit zunnehmenden Alter lernen wir aber zu differenzieren, das heisst, dass wir nicht mehr so schnell generalisieren, sondern genau erkennen, dass 2 Geräusche nur ähnlich, aber nicht gleich sind und dass das nur ähnliche Geräusch uns egal sein kann.

Also ihr seht, dass das Thema eigentlich ganz schön spannend und gar nicht langweilig ist und wenn ihr euch ordentlich damit beschäftigt, könnt ihr es bei euren Hunden richtig anwenden und sie damit richtig erziehen und ihnen eine ganze Menge beibringen. Ihr könnt euren Hunden damit auch Ängste nehmen. Frauchen hat da schon wieder einen lustigen Trick im Hinterkopf, mal sehen.  Und denkta daran, egal wie alt wir sind oder ihr auch seid, alle Lebewesen können lebenslang lernen und lernen nie aus.

So, liebe Leser, und jetzt warten wir gespannt darauf, was eure Hunde so alles durch die klassische Konditionierung gelernt haben, vor allem, was ihr ihnen unbewusst damit beigebracht habt.

Euer Merlin und Dojan

 
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